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"Denn zu Zeiten der Not bedarf man seiner Verwandten"*

Wenn das traditionelle Familiensystem nicht greift, ist es nicht ungewöhnlich, wenn Oma und Opa die Erziehung der Enkel übernehmen.
Dieses Szenario beschreibt natürlich den Idealfall. Wenn sie intakt sind, sind familiärer Bindungen für das Kind die beste Wahl. Schließlich wusste schon Goethe: "Denn zu Zeiten der Not bedarf man seiner Verwandten."
Wir haben Mitglieder der Feierabend.de-Community befragt, ob sie ihre Enkel großziehen oder großgezogen haben - oder ob sie selbst von Großeltern betreut wurden. Dabei war uns wichtig zu erfahren: Was war gut, was schlecht?

Als die Tochter schwer erkrankte, war für Katalin klar, sie kümmert sich um die Enkelin

Frau mit Baby im Arm

Im Juli 2001 bekam meine Tochter, die alleinerziehend war, die Diagnose Leukämie. Sie musste sich einer langwierigen und seelisch für alle Beteiligten sehr belastenden Behandlung unterziehen. Zum Glück wurde für sie in der Uniklinik Frankfurt kurz vor Weihnachten 2011 ein in sechs genetischen Merkmalen übereinstimmender Spender gefunden. Nach mehreren harten Chemotherapien und einer Ganzkörper-Radium-Bestrahlung konnte dann Ende Januar 2012 eine Stammzellenübertragung vorgenommen werden, die problemlos und bis heute ohne einen Rückfall verlaufen ist.

Am 29. Januar konnten wir den 13. Geburtstag ihres neuen Lebens feiern, ein ganz besonderes Geschenk für alle! Während der Behandlungszeit betreute ich meine 4-jährige Enkelin. Ich war froh, dass ich schon in Rente war und ihr die nötige Geborgenheit geben konnte, so dass sie keinen sichtlichen Schaden genommen hat. Meine Tochter ist mir sehr dankbar, dass ich für sie und die Enkelin in dieser schweren Zeit da war. Nach 1 1/2 Jahren konnte sie wieder ihren Beruf aufnehmen. Ich war selbstverständlich auch im Kindergarten- und Grundschulalter für beide da. Auch mit 17 Jahren kommt meine Enkelin immer noch gerne einmal wöchentlich nach der Schule zu mir. Zu ihrer Mutter hat sie ein sehr gutes Verhältnis, die beiden sind ein Herz und eine Seele. Ich bin dankbar, dass ich zu einem wichtigen Zeitpunkt für meine Enkelin da sein konnte, denn das soziale Umfeld ist ein wichtiger Faktor bei der Genesung von einer schweren Krankheit.

Der größte Dank gilt aber dem Stammzellenspender meiner Tochter aus Ostfriesland, der sich ursprünglich bei einem Aufruf vom Roten Kreuz für ein an Leukämie erkranktes Kind hatte registrieren lassen und dann später als passender Spender für meine Tochter in Frage kam. Das war wie ein 6-er im Lotto!
Katalin W.

Kindern in Not helfen - für Inge eine Selbstverständlichkeit

Kind umarmt Oma

Ich habe zwei mittlerweile erwachsene Söhne. Von meinem Ältesten habe ich den kleinen Sohn mit großgezogen - trotz meiner Berufstätigkeit. Meine Schwiegertochter und ich haben versucht, unsere Arbeitstage und Termine so zu legen, dass wir abwechselnd da waren. Wir haben auch zusammengelebt und das war gut so. Meine Schwiegertochter war alkoholabhängig. Wenn es besonders schlimm war, kam mein Enkel herunter. Ich habe mit ihm viel unternommen. Habe ihn fast überall mit genommen.

Als dann meine Selbständigkeit in der Gastronomie aufhörte, habe ich mich beim Jugendamt um Kinder bemüht. Nach einiger Zeit nahm ich zwei Geschwister-Mädchen (5 und 8 Jahre) in Obhut. Ich wollte, dass mein Enkel mit ihnen aufwächst. Die beiden Mädchen kamen aus einem verwahrlosen Haushalt. Ihre Mutter war psychisch krank. Der Vater verschloss die Augen. Es gab Gewalt innerhalb der Familie. Die Mädchen sollten zunächst für ein bis zwei Jahre bei uns bleiben. Alle zwei Wochen durften sie ihre Eltern besuchen. Es war schlimm, wenn sie wieder zu uns zurückkamen. Sie waren sehr durcheinander. Es dauerte zwei bis drei Tage, bis der Ablauf bei uns wieder normal war.

Nach zwei Jahren wurden uns die Geschwister gerichtlich überschrieben. So waren es drei Kinder, um die ich mich kümmerte. Ich hatte oft Stress mit dem Amt, da ich es nicht mehr guthieß, dass die Kinder ihre Eltern besuchten. Dieses Hin und Her konnte nicht zum Wohle der Kinder sein. Nach einiger Zeit wollten die beiden auch nicht mehr hin. Es war zu viel im Elternhaus passiert.
Als die Größere nach ihrem Abitur für ein Jahr nach Australien ging, hatte ich ein Zimmer frei und nahm weitere Kinder in Obhut. Sie kamen fast immer aus einem chaotischen, gewalttätigen Umfeld oder Familien, in denen Drogenmissbrauch vorkam. Bis heute habe ich Kinder um mich - mal für Wochen, mal für Monate.
Meine Schwiegertochter ist an ihrer Alkoholabhängigkeit gestorben. Mein Mann und ich haben mit dem Enkel über den Tod seiner Mutter gesprochen. Er sagt heute noch:, "Oma und Opa waren immer für mich da".

Unser Enkel hat sich vor rund drei Jahren eine eigene Wohnung genommen. Zu dem Zeitpunkt kam er mit einem Ultraschall-Foto zu mir: „Oma, meine Freundin ist schwanger.“ Ich fragte: „Wie stellt ihr euch das Leben mit einem Kind vor?“ Seine Freundin war damals 18, Kevin 20. Seine Antwort: „Oma, Du hast mich und so viele andere Kinder großgezogen, dann kannst du auch unser Kind großziehen.“ Es war für ihn selbstverständlich. Heute ist meine Urenkelin 28 Monate und zwei bis drei Tage in der Woche bei uns. Es macht mir trotz meines fortgeschrittenen Alters von 68 Jahren immer noch Spaß und Freude.
Ich möchte ergänzen, dass ich alle Kinder und meine kleine Urenkelin nicht außergewöhnlich verwöhnt habe. Ich habe Grenzen gesteckt. Es war oft ein Machtkampf und nicht immer leicht. Alle Kinder haben gewusst, wenn ich „nein“ sage, dann bleibe ich auch dabei.
Inge F.

"Ich will versuchen, ihnen meine Werte zu erklären"

Junge in den Armen seines Opas

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, in einer Zeit, in der Generationen, meist drei oder sogar vier, zusammen lebten. Wir waren zwei Kinder - fast gleich alt. Nach fünf Jahren kam noch eine Schwester dazu. Die "Hauptbrutpflege" haben bei uns Oma und Opa übernommen - mit einer Geduld, die den Eltern wahrscheinlich abgegangen wäre. Die waren mit der Arbeit in der Landwirtschaft - bei uns Feld- und Viehwirtschaft - voll ausgelastet. Oma war eher für das, was man tun oder eben nicht tun sollte, zuständig. Sie hat unsere Wertvorstellungen enorm beeinflusst und uns Respekt vor anderen Personen und der Kirche beigebracht.

Was mir heute noch sehr präsent ist und meine eigene Lebenseinstellung bis heute prägt, ist das Ansehen der Person - egal welcher Herkunft oder welchen Berufsstandes. Nach dem Krieg, sogar noch bis Ende der fünfziger Jahre, kamen oft Menschen auf den Hof, die Hilfe nötig hatten. Bei uns gab es immer etwas zu essen oder Feldfrüchte und Eier, die gerade übrig waren. Immer wurde mit allen respektvoll und wertschätzend umgegangen. Ich habe nie ein überhebliches Wort gehört. Im Gegenteil: Oma hat sich sogar manchmal entschuldigt, wenn sie glaubte, es sei zu wenig was sie gerade geben konnte.

Opa hat uns das Handwerk beigebracht. Er hat uns z.B. kleine Hackstöcke gebaut, damit wir das Ofenholz spalten konnten. Dafür bekamen wir sogar richtige kleine Äxte. In seiner Werkstatt durften wir alle Werkzeuge ausprobieren. Immer mit Anleitung und Hinweis auf die gefährlichen Seiten. Ein kleines Feldstück war für uns zum Experimentieren reserviert. Die Eltern sind mir in meinen Erinnerungen an die Kindheit bei weitem nicht so präsent wie diese beiden Alten.

Ich selbst wohne nun sehr weit von meinen vier Enkeln entfernt und bin eigentlich eine "Rabenoma". Das heißt, wir sehen uns nur in den großen Ferien. Ich wäre gerne die Vertraute für meine Enkel - aber das geht eben nicht. Die heile Kinderwelt, wie ich sie noch erlebt habe, ist heute wohl nicht mehr realisierbar. Meine Enkel sind Technikfreaks und bringen mir den Umgang mit dem IPhone bei. Es ist das Zeitalter des "Lernens von den Jungen". Ob ich jetzt die Brutpflege für meine Enkel leisten könnte? Ehrlich gesagt, ich glaube nein - es ist zu spät... Ich will nur versuchen, ihnen meine Werte zu erklären - und hoffe, dass sie nicht allzu weit davon entfernt sind.
Franziska S.

"Meine schönsten Jahre verlebte ich bei den Großeltern"

Frau mit Baby im Arm

Ich bin tatsächlich den größten Teil meiner Kindheit bei meinen Großeltern mütterlicherseits aufgewachsen. Meine Mutter wohnte noch bei ihren Eltern, als ich geboren wurde. Mein Vater war im fernen Russland - wie fast alle Männer, die in der deutschen Wehrmacht ihr Leben aufs Spiel setzen mussten. Nach 1945 erhielt meine Mutter eine kleine Einraumwohnung in unmittelbarer Nähe der Großeltern. Weil sie arbeiten gehen musste, brachte sie mich jeden Morgen zur Oma. 1948 kam ich in die Schule, diese lag gegenüber der Wohnung der Großeltern, so war ich auch nach dem Unterricht bei meiner Oma. Mein Opa war im KZ Hohnstein/Sachsen schwer misshandelt worden und sie musste ihn auch noch gesund pflegen, so gut es ging. Arbeiten konnte er nicht mehr. Als mein Vater 1949 aus der russischen Gefangenschaft kam, sah ich ihn zum ersten Mal. Nachdem die Einraum-Wohnung zu klein wurde und mein Vater wieder arbeiten durfte, zogen wir in die Innenstadt von Dresden. Ich lebte dann bei meinen Eltern, aber an meinen Vater musste ich mich erst gewöhnen.

Leider schafften es meine Eltern nicht, sich wieder aneinander zu gewöhnen und die Ehe zerbrach. Die Geburt meines kleinen Bruders konnte das Familienleben auch nicht retten. Meine Mutter musste also wieder arbeiten gehen, sie fand eine Stelle bei der "Volkspolizei" im Innendienst. Dort lernte sie einen Arbeitskollegen kennen, der bald bei uns einzog. Als er mich eines Tages missbrauchte (ich war gerade 12 Jahre), fuhr ich mit der Straßenbahn zu meinen Großeltern und erzählte ihnen davon. Sie riefen meine Mutter an und sagten, dass sie mich wieder zu sich nehmen würden, um Schlimmeres zu verhindern. Allerdings musste ich mein Schuljahr noch beenden, was sehr unangenehm für mich war!

Meine schönsten Jahre verlebte ich nunmehr wieder bei meinen Großeltern. Meine Mutter hat diesen Mann geheiratet, weil sie von ihm schwanger wurde. Später kam heraus, dass dieser Mann mit einer anderen Frau auch ein Kind hatte. Meine Mutter ließ sich von ihm scheiden. Sie hat nie mit mir über diese Angelegenheit gesprochen, so als sei nie etwas passiert. Aber meinen Großeltern habe ich unendlich viel zu verdanken.
Anonym

"Es hat viel Kraft gekostet, aber bereut habe ich es nie"

Opa umarmt Enkeltochter

Ich bin Großmutter und gleichzeitig auch Pflegemutter. Mein Enkelsohn wurde 1995 geboren. Er ist das Kind aus einer kurzen Beziehung meines Sohnes, der sich leider nicht verantwortlich fühlt. Aus Gesprächen wusste ich, dass die Kindesmutter in ärmlichen Verhältnissen lebt und noch ein jüngeres Kind hat. Gegen den Willen meines Sohnes nahm ich 2003 Kontakt zur Kindesmutter auf, um meinen Enkelsohn Dennis kennen zu lernen. Die Mutter hatte nichts dagegen und so besuchte ich meinen Enkelsohn so oft es ging, und er uns. Auch in finanzieller Hinsicht half ich, z.B. als mich die Schulleiterin um ein Gespräch bat; Dennis` Mutter hatte schon Monate kein Essensgeld bezahlt. Er war das einzige Kind, das zudem oft ohne Frühstück in die Schule kam. Die Schule ließ ihn aus Mitleid mitessen. Ich bezahlte die offene Rechnung, ein Gespräch mit der Mutter war nicht möglich. Sie blockte ab und drohte mit Besuchsverbot. In seiner Entwicklung war Dennis auch etwas zurück. Wenn Dennis die Wochenenden oder Ferien bei uns verbringen durfte, wollte er oft nicht nach Hause, sondern bei uns bleiben. Als mich seine Mutter 2006 fragte, ob wir Dennis vorübergehend zu uns nehmen würden, da Dennis‘ Stiefbruder gesundheitliche Probleme hatte, waren ich und mein Mann sofort bereit, Dennis zu uns zu nehmen.

Ich meldete ihn in unserem Ort zur Schule an und fortan kümmerten wir uns darum, dass Dennis den schulischen Ansprüchen der 4. Klasse gerecht wurde. Es fiel ihm sehr schwer. Er konnte sich sprachlich sehr schlecht ausdrücken. Mir wurde empfohlen, ihn in eine Sprachheilschule zu schicken. Dementsprechend fiel auch sein Zeugnis aus. Ich schickte ihn zum Nachhilfeunterricht und allmählich wurde es besser. Im April 2007 geschah das große Unglück, dass mein Mann bei einer diagnostischen OP ins Wachkoma fiel und daraus nicht mehr erwachte. Sieben Jahre dauerte dieser furchtbare Zustand, fortan war ich nun allein für Dennis' Erziehung zuständig.

Unterstützung bekam ich vom Jungendamt, denn mein Sohn entzog sich weiterhin jeder Verantwortung. Gesprächsversuche auch seitens des Jugendamtes mit ihm brachten nichts. Selbst meine Tochter und andere Familienangehörige waren dagegen, dass ich mich um "ein fremdes Kind" kümmere. Über so viel Hartherzigkeit war ich entsetzt und brach den Kontakt ab. Zur Mutter konnte Dennis nicht mehr zurück, das Jugendamt sprach von schlechten Zuständen, die dort herrschten. Er besuchte zwar seine Mutter, wollte aber auch nicht mehr zurück zu ihr.

Es waren schwere Jahre für mich, doch das Gute daran war, dass mich Dennis‘ Erziehung vom Leid mit meinem Mann etwas ablenkte. Dennis Leistungen in der Schule wurden besser, er entwickelte sich gut und seit 2013 lernt er in der Meisterschule in Kaiserslautern Metallbauer. Seine pubertären Phasen brachten mich oft an den Rand der Verzweiflung. Auch heute kriegen wir uns oft in die Haare. Dann merke ich, dass zwischen uns eine ganze Generation fehlt und ihm ein männlicher Ansprechpartner. Gesundheitlich hat mich das viel Kraft gekostet, bereut habe ich meinen Entschluss von damals nicht. Hätte ich es nicht getan, wäre Dennis ins Heim gekommen und das wollte ich auf keinen Fall. Er ist heute 19 Jahre, raucht und trinkt nicht, hilft mit im Haus. Nur gegen seinen besten Freund und inzwischen meinem besten Feind, seine Computerspiele komme ich nicht an. Das nervt mich, denn zwischen der virtuellen und der realen Welt gibt es große Unterschiede, aber davon will er nichts wissen.
Gisela N.

"Ich würde es jederzeit wieder machen"

Oma streckt ihre Haende nach Enkelkind aus

Ich bin 1985 zum ersten Mal Oma geworden und habe mich wie alle Omas sehr gefreut. Da ich eine junge Oma war, hatte ich genug Kraft für diese Aufgabe. Ich hatte mein Enkelkind sehr oft, da meine Tochter weiter an ihren Leben „gebastelt“ hat, wie ich glaubte. Leider musste ich nach einiger Zeit feststellen, dass mit ihr etwas nicht stimmte, da ich das Kind immer öfter hatte. Für mich stand fest, ein Kind gehört zur Mutter und sollte nur ab und zu zur Oma. Ich erfuhr, dass meine Tochter an die Hartdroge Heroin gekommen war. Für mich stand fest: Ich würde das Kind nun länger betreuen.

Noch einmal ein Kind großziehen mit der ganzen Verantwortung: Das ist mir am Anfang nicht leicht gefallen. Ich wollte im zweiten Abschnitt meines Lebens eigentlich etwas anderes machen. Nur wenn das Kind, welches zu der Zeit fünf Monate alt war, mich anschaute, mit Augen voller Vertrauen und Liebe, dann stand für mich fest: Ich stelle mich der Verantwortung.

Nun kam erst einmal der Kampf mit den Ämtern. Wen ich nur daran denke, könnte ich schon wieder Wutanfälle bekommen. Ich habe letzten Endes die Vormundschaft für das Kind bekommen. Ab da lag alles bei mir. Wer glaubt, von unserem Staat Hilfe in der Situation zu bekommen, ist auf dem Holzweg. Es ist ja bequem, wenn eine Oma alles übernimmt. Nur, dass diese Oma auch noch arbeiten muss, das ist egal. Unterstützung bekommen nur fremde Pflegeeltern. Betreuende Verwandte nur, wenn das Kind krank gewesen wäre.

Meine Belohnung war das Kind. Sie ist zu einem tollen Menschen herangewachsen und nun selber schon eine junge Frau. Meine Tochter, die es geschafft hat, von der Droge weg zu kommen, hat zu dem Kind erst wieder Kontakt aufgenommen als sie 14 Jahre war. Natürlich hat es dann Probleme gegeben. Das Kind wusste über alles Bescheid, da ich es ihr altersgerecht erzählt habe ist. Meine Tochter kann bis heute nicht verstehen, dass ihre Tochter sich von ihr im Stich gelassen fühlt. Leider hat sie es nicht geschafft, das Vertrauen der Tochter zu erlangen. Das alles tut mir sehr weh, aber ich würde es jederzeit wieder machen und hoffe, dass die beiden es noch schaffen, ihren Frieden zu machen.
Siegrid H.

"Ich weiß erst jetzt zu schätzen, was für eine große Aufgabe meine Mutter mir abgenommen hat"

Opa und Enkelkind auf dem Fahrrad

Ich habe im Juli 1972 geheiratet, im Oktober 1972 ist meine Tochter geboren. Im April 1974 verunglückte mein Mann tödlich mit seinem Auto. Daraufhin konnte ich Gott sei Dank wieder in die Wohnung in meinem Elternhaus einziehen. Meine Eltern wollten, dass ich wieder arbeiten gehe. Meine Mama sagte: "Ich habe drei Kinder großgezogen und ich werde auch für Dein Kind sorgen, damit Du wieder arbeiten gehen kannst." Gesagt, getan: Ich ging Vollzeit arbeiten und meine Tochter konnte in ihrem Bettchen bleiben, bis ihre Oma sie geholt hat. Dadurch konnte ich mir vieles leisten und bin heute noch dankbar dafür, solche Eltern gehabt zu haben. Mein Kind hat dadurch nicht gelitten, im Gegenteil: Sie hat davon profitiert, dass ich nach Feierabend und an den Wochenenden immer viel Zeit für sie hatte.
Heute habe ich ein Enkelkind und ich genieße jede Stunde mit ihm. Durch meine jetzige Freistellungsphase der Altersteilzeit habe ich (fast) immer Zeit, wenn ich gebraucht werde. Ich kann vieles sehen und erleben, was ich bei meinem eigenen Kind nicht konnte. Und ich weiß auch jetzt erst richtig zu schätzen, was es für eine große Aufgabe für meine Mama war, noch einmal mit einem kleinen Kind anzufangen, wenn die eigenen schon groß sind und ihre Wege gehen.
Ulli R.

"Die glücklichste Zeit in meinem Leben"

Kind mit Hund im Herbst

Im Jahr 1993 kam mein erstes Enkelkind Felix in Berlin zur Welt. Die Eltern sind Architekten in Vollzeit, damals in Anstellung in zwei verschiedenen Architekturbüros. In der Freizeit arbeiteten sie an einem Architektenwettbewerb für die Heimatstadt in der Oberpfalz. Zur Freude aller erzielten sie mit diesem Objekt den ersten Preis und der Auftrag wurde ihnen zugesprochen. Der Umzug von Berlin mit dem Säugling fand statt. Ich jubelte, denn um das Kind aufwachsen zu sehen, hätte ich einen weiten Weg gehabt.

Wir nahmen die Jungfamilie erst einmal in unserem Haus auf, damit sie in Ruhe eine geeignete Wohnung finden konnten. Das ehemalige Kinderzimmer meines Sohnes wurde das neue Reich meines Enkelsohnes. Liebevoll habe ich das Zimmer eingerichtet und der Kleine rekelte sich wohlig in seinem Bettchen. Die Eltern waren frei für ihre Arbeit, denn Oma bot an, voll für den Kleinen da zu sein. Für mich begann ein neues Leben. Wunderbar, ich hatte die Ruhe, für das Kind da zu sein. Mein Enkel sollte eine entspannte Zeit bei mir genießen können. Schon nach geraumer Zeit hatte ich das vollste Vertrauen der Eltern. Sie freuten sich über meinen Elan und vor allem, wenn sie abends nach getaner Arbeit zu einer Brotzeit vorbeischauten, konnten sie erkennen, wie zufrieden und glücklich ihr Kleiner ist. Nach kurzer Überlegung, ob sie das Kind in ihr neues Zuhause über Nacht mitnehmen sollten, kamen wir zu dem Entschluss, dass es für das Kind ruhiger und ausgeglichener ist, wenn es bei Oma bleibt. Wir einigten uns im Interesse des Kindes, dass er nur an den Wochenenden mit zu den Eltern geht. Schließlich war Felix erst 3 Monate alt.

Der Junge gedieh prächtig und fühlte sich wohl bei den Großeltern. Wir wohnen im Grünen und genossen bei schönem Wetter den Garten. Die Zeit verging wie im Flug, die ersten Worte, die er nachplapperte, führten wir am Abend den Eltern vor. Mama kuschelte mit dem Kleinen, wenn der Aufbruch kam, gab es keine Tränen. Ich war stolz, denn das war der Beweis, dass er sich geborgen fühlte.

Die ersten Anfänge waren gemeistert. Wir übten gemeinsam die ersten Schritte, wir übten das selbständige Essen bei Tisch und zur Belohnung wurde eine Bettgeschichte vorgelesen. Das Kind wurde schon mit einem Jahr sauber und marschierte mit festen Schritten durch die Räume. An jedem neuen Tag überraschte uns der Kleine mit seinen Fortschritten. Wir spielten Ball, spazierten zu den nahegelegenen Kuhställen mit einer für ihn gekauften kleinen Schubkarre. Dort durfte er mit dem Bauer die Kühe füttern. Mit vier Jahren lernte er an unserem Hausberg das Rodeln und das Skifahren. Ich hatte riesige Freude, dem Kind immer wieder Neues beizubringen. Ich strickte Jacken und Pullover, die er sich voller Stolz morgens selbst anzog. Im Sommer gingen wir in unser Freibad und mit fünf Jahren hatte er bereits sein Freischwimmer-Abzeichen. Wir beide waren ein eingespieltes Team und der Tag war viel zu kurz für uns.

Seinen Großvater taufte er OM, weil er mit ihm im Hobbyraum täglich eine Yoga Stunde abhielt. Wir meldeten ihn für den Kindergarten an, dann kamen die ersten Schuljahre. Seine Hausaufgaben machte er selbständig und problemlos. Oma Margot überwachte den Ordnungssinn. Nach getaner Arbeit war wieder Spielzeit angesagt. Er hatte Freude an Kartenspielen, Mühle und Halma. Wir bastelten gemeinsam Laternen für den Martinstag, und besuchten die Gottesdienste in unserem Dorf. Felix war ein guter Schüler und außer ein paar Erkältungen war und ist das Kind kerngesund. Immer wieder hörte ich von den Eltern: Das ist der guten Pflege und den sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft zu verdanken. Sämtliche Arztbesuche, die anstanden, übernahm Oma. Für Felix war das eine Selbstverständlichkeit. Dank seiner guten Noten wechselte er auf das Gymnasium und Oma konnte bei der Vokabel-Befragung ihr Englisch wieder auffrischen. Dann überraschte uns beide die plötzliche Veränderung der Eltern.

Mit 14 Jahren packte er seine Koffer und zog mit den Eltern nach München. Das tat weh, sehr weh. Im Haus wurde es still. Von da an telefonierten wir fast täglich miteinander. Ich war trotz Sehnsucht nach dem Burschen glücklich, dass er sich gut eingelebt hat in der neuen Umgebung. Viele neue Eindrücke kamen auf ihn zu. Von einer Landidylle in eine Großstadt. Die tägliche zur Gewohnheit gewordene Betreuung war plötzlich nicht mehr da. Bei unseren Gesprächen konnte ich erkennen, er schafft es. Er weiß, worauf es ankommt. Er wurde immer selbständiger. Das konnte ich bei meinen Kurzbesuchen erkennen und beruhigte meine Sorge. Die Jahre vergingen, manchmal habe ich auch an ihren Urlauben teilgenommen und wir beide tauschten uns fröhlich aus.

Dann stand das Abitur vor der Tür. Am Telefon sagte Felix zu mir: „Oma mach Dir keine Sorgen, ich schaffe das. Du wirst staunen." Zu seiner Abiturfeier musste Oma natürlich anreisen. An dem Ballabend der Jugend war es sein Wunsch, dass ich ebenfalls teilnehme.

Zu meiner Überraschung trat er bei Musikeröffnung vor mich und bat um den ersten Tanz. Wir beide hatten Spaß und Oma fühlte sich jung. Er ließ mich nicht mehr los: „Margot diese Nacht gehört nur uns beiden“. Wir tanzten bis in den frühen Morgen. Übermütig schwebten wir durch die Nacht und seine Freunde standen im Kreis um uns herum und klatschten in die Hände. Felix rief: "Ja da staunt ihr, das ist meine Oma und der habe ich vieles zu verdanken."
Erschöpft und glücklich fiel ich nach einer unvergesslichen Nacht in mein Bett. Heute ist mein Enkelsohn 21 Jahre und studiert in Amsterdam. Weit weg, um schnell mal einen Besuch zu machen. Aber es gibt ja Skype und Facebook und wir sind immer in Verbindung. Ich kann weiter an seinem Leben teilnehmen. Wenn mich Felix besucht, dann bringt er immer wieder zum Ausdruck: „Margot die Zeit mit Dir und OM werde ich nie vergessen, sie hat mich geprägt.“ Das tut gut und macht glücklich.
Margot B.

"Ich würde mein Kind nicht mehr von seinen Großeltern erziehen lassen"

Enkel

1966 war unser Ältester 2 Jahre alt. Zu dem Zeitpunkt musste ich wieder berufstätig werden. Es bestand die Möglichkeit, ihn zu meinen Eltern zu geben. Da sie jedoch rund 16 km von unserem Wohnort entfernt leben, konnte ich ihn nicht jeden Tag sehen. Ich war in einer Arztpraxis beschäftigt, die Mittwoch-Nachmittag und Samstag geschlossen war. Ich fuhr also jeden Mittwoch-Nachmittag zu meinen Eltern (hauptsächlich zum Kind). Samstag-Vormittag brachte ihn mein Vater mit dem Bus nach Saarbrücken und ich fuhr mit ihm im Zug zu uns. Sonntags abends brachten mein Mann und ich wieder zu meinen Eltern. Natürlich war der Abschied jedes Mal sehr tränenreich (von beiden Seiten). Da meine Eltern beide schon Mitte sechzig waren, waren sie natürlich mit dem Kind, umso älter und selbständiger es wurde, überfordert. Dementsprechend ging unserem Sohn vieles durch, womit ich eigentlich nicht einverstanden war, was ich jedoch ignorierte, da mir ja keine andere Wahl blieb. Das ging so, bis er eingeschult wurde (ich war dann nicht mehr berufstätig). Als er nach vier Jahren zum Gymnasium wechselte, passierte es öfter, dass er nach dem Unterricht zu meinen Eltern fuhr. Er sagte mir vorher nichts davon und ich wartete mit dem Essen. Wenn ich mit meinen Eltern darüber sprach, fanden sie das gar nicht schlimm, im Gegenteil: Meine Mutter machte mir Vorwürfe, da ich ihm nicht immer das kochen würde, was ihm schmeckte. Das war auch bei jedem sonstigen Telefongespräch mit ihr ein absolutes Thema. Ich hatte immer die Hoffnung, wenn unser Sohn älter würde, würde sich alles normalisieren - das war ein Trugschluss. Es ging bis ins hohe Jugendalter weiter. Erst dann wurde es einigermaßen besser. Fazit: Ich persönlich würde nie mehr ein Kind ganz zu den Eltern geben, zumal wenn man nicht zusammen wohnt. Unseren zweiten Sohn (geboren 1972) konnte ich selbst erziehen - ich sehe heute noch den Unterschied!
Anonym

Veröffentlicht von Enkelkinder.net

*Zitat nach Johann Wolfgang von Goethe

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