Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Flunsch und Tränchen wirken (fast) immer

Meine Tochter fuhr zu einer Freundin nach Benrath und so nahm ich mir einen Ausflug mit meiner Enkelin zum Schloss vor. Die Kleine kannte es bereits von früheren Spaziergängen.

„Omihiih, ist dann auch Dornröschen da?“ „Weißt du: Das Schloss sieht nur so aus wie Dornröschens Schloss. Aber Dornröschen gibt’s nur im Märchen.“

Das musste Toni erstmal verkraften, freute sich aber trotzdem, denn immerhin hatte es ja wohl Ähnlichkeit mit Dornröschens Zuhause. Gut gelaunt marschierten wir drei also zum Auto. Auf einmal guckte meine Älteste so ernst, ja, auch etwas verunsichert. Bevor sie einstieg, meinte sie:

„Mama, also, na ja, weißt du...“

Nein, ich wusste nicht...
´Werde ich ja gleich erfahren!`
„Naja,“ druckste sie herum. „Also, sie hat im Moment so eine Phase...“
´Ahaah!`, dachte ich.
„Ja, sie kann nach fünf Minuten angeblich nicht mehr laufen und knatscht dir dann die Ohren voll!“
„Kind, ich hab euch vier großgezogen. No Problem!“
“Ja, wenn du meinst...?“
„Ja, meine ich!!“

Erleichtert, dass es jetzt raus war, kutschierte sie uns zur Orangerie. „Mama, dann viel Spaß!“ Und war verschwunden.

Toni lief brav an der Hand und ich mit ihr in Erinnerung an jene besorgten Hinweise zunächst mal an bunten Blumenbeeten vorüber. Toni schwärmt nämlich für Blumen und schenkt mir ab und zu Gänseblümchen. Als es aber nach ein paar Minuten uninteressant wurde, trippelte sie auffällig still und sehr viel langsamer neben mir her. Mich beschlich eine vage Vorahnung:

„Ahaah!!“ Und richtig: Toni blieb stehen, guckte wie Leiden Christi und ließ ein Tränchen kullern:

„Omihiih, ich kann nicht mehr laufen!“
„Wir sind gleich da!“

Wir erreichten den Weiher, auf dem sich Schwäne, Kanada-Gänse und Enten tummelten. Zum Glück stehen auch einige Bänke zum Ausruhen parat. Aufatmend setzte sich Toni und sah den Vögeln zu.

„Omihiih, guck mal: Da sind kleine Schwäne!“

Ich erklärte ihr, dass es keine Schwanenkinder, sondern Gänse seien und die noch kleineren seien Enten. Wir wandten uns zum Schloss und ich ließ Toni wählen:

„Entweder Heimatmuseum mit vielen Tieren oder ein Eis?“

Blöde Frage überhaupt. Etwas munterer geworden, lief sie gleich ein bisschen schneller, das Eis lockte.

„Omihiih, ich weiß, wo es welches gibt! Da drüben!“

Wieder wenige Schritte später: Sie zog einen Flunsch und heulte los. Ich:

„Wieso weinst du denn jetzt?“
„Weil ich kein Eis bekommen soll!“
„Ääh?? - Du, bevor du jetzt geheult hast, hab ich dir eines versprochen, aber, wenn du jetzt nicht aufhörst zu weinen (große Krokodiltränen!), wird Omi traurig. Dann bin ich enttäuscht.“

´Nachtigall, ich hör dir trapsen. So dirigiert man die Erwachsenen!`
Verständnisvolle bis amüsierte Blicke entgegenkommender junger Eltern. Die kannten den Zirkus wohl auch. Weil die Eisdiele aber bereits zu sehen war, versiegten die Tränen fix und sie wählte den Tisch aus, an dem sie zu sitzen wünschte. Ich griff mir die Eiskarte.

„Pinocchio -Eis!“

Toni strahlte. Leider trug Pinocchio aber einen breiten Schal aus Sahne.

„Ich mag die nicht!“ Brüll!!
„Hör zu: Omi isst die Sahne!“
„Abaa da is noch Sahne an den Smarties!!!“
„Toni, das wirst du überleben!“

Tat sie auch, allerdings mit ziemlich angewiderter Miene. Das Eis aber versöhnte sie. Nachdem sie es genießerisch verspeist hatte, sprang sie auf, rannte zum Eingang der Eisdiele, zeigte auf die kleine Fahne über ihm - ´Eis` stand darauf - und erklärte stolz:

„Omihii, die gehört auch zum Geschäft!“

Nach der kurzen Zugfahrt gen Heimat stand sie wieder einmal kurz vor ´Ich kann nicht mehr laufen!`, aber nach der Ankündigung, wir würden gleich gemeinsam tolle Bilder malen, hob sich ihre Laune beträchtlich und sie vergaß völlig für den Rest des Nachmittags zu knatschen. Abends schilderte ich alles meiner Tochter:

„Du, du warst kaum weg und schon...“ Wir grinsten uns an.

Tastifix

Autorin: tastifix

Artikel Teilen


Kommentieren