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Toni will nicht schlafen

Gern sah ich stundenlang zu, wie sie malte, Bilderbücher guckte und beantwortete zwischendurch auch geduldig Fragen oder führte mit ihr gewichtige Diskussionen. Mit fast vier Jahren kann man das nämlich schon.

Nebenbei lauschten wir mehrmals nacheinander dem Märchen von einer Hasenprinzessin, die sich nach eingehender Beurteilung diverser Minnegesänge, bei deren Vernehmen ich anfing, meine Hörbehinderung regelrecht zu lieben, sich dann, klug, wie sie war, für denjenigen Hasenprinzen als Ehekandidaten entschied, der die Töne nicht nur richtig traf, sondern sie sogar ausreichend lange zu halten verstand.

Anschließend genossen wir Max und Moritz, Lehrer Lämpel und die durchgesägte Brücke als auch zum Schluss die zermahlten Lausbuben. Derweil malte und klebte Toni von deren Schicksal anscheinend total ungerührt Sticker in ein glitzerndes Prinzessinnen-Sticker-Malbuch und lobte sich deswegen über den Klee, ich dann als liebende Oni ebenfalls. Doch die mittlerweile schon mehrmals zermahlten Max und Moritz forderten in meiner Seele ihren Tribut, ich fühlte mich matschig und brauchte dringend Abstand.

Zum Glück passte es zeitlich gerade und ich bereitete Tonis Abendessen zu. Das gewünschte Salami-Butterbrot schmeckte wohl besonders gut. Gnädig entließ sie mich ein zweites Mal in die Küche - sie wollte noch eines. Toni ahnte ja nicht, wie froh ich über diesen Auftrag war, denn genau in diesem Moment wurden Max und Moritz zum vierten Male…

Nach dem Essen gehorchte sie brav, zog sich aus, verschwand ins Bad, putzte sich auch sorgfältig die Zähne und streifte widerspruchslos ihren Schlafanzug über, obwohl auf dem weder Eiskönigin noch Olaf zu sehen waren.

´Meine Güte, wie lieb sie doch ist!`

Sie muss es von mir haben… Denn genauso lieb las ich erst ein Pixibuch, danach ein selbst geschriebenes Märchen und dann nochmals ein Pixibuch vor.

´1+1+1=3. Das reicht!`

Denkste! Toni aber nicht. Kochstufe 1 war angesagt. Ihre Mundwinkel wanderten verdächtig nach unten, sie kniff die Augen fest zu und rief:

„Ich will aber noch eine Geschichte!“

„Nein, ich hab jetzt drei Geschichten vorgelesen. Jetzt wird geschlafen!“

„Ich will abaa …!!“

„Nein, Toni!“

Omi-Kochstufe 2:

„Ich will zu Mama!!“

Brüll.

„Geht nicht. Mama arbeitet!“

Schnieef, schluck, brüll - diesmal noch lauter. Einerseits tat es mir leid, dieses kleine süße Etwas mit den blitzblauen großen Augen, aber andererseits …

„Toni, hör auf zu heulen!“

Einen Moment lang schien es mir, als würd sich das Ganze zu meinen Gunsten entwickeln, sie also verstummen und endlich einschlafen. Dummerweise fiel ihr just in dem Augenblick ein, da gab es ja noch Kochstufe 3:

„Heuuuul! Mamaaa!!!“

Sie bewies eine bemerkenswerte Ausdauer und ließ als Zeichen, welch ein Herzeleid ich ihr zugefügt hätte, noch ein niedliches Tränchen die Wange runter fließen.

´Jetzt wird Omi doch wohl nachgeben??`

´Tja, Toni: Omi hat vier kleine Mädchen groß gezogen. Da kennt sie die Tricks! - Bleib bloß hart!`

Ich schaffte es tatsächlich, streichelte aber dabei ununterbrochen und hoffte, sie würd sich beruhigen.

„Toni, ich verrat dir etwas: Wir Zwei sehen uns morgen schon wieder!“

Es war der richtige Zauberspruch gewesen. Es rann kein Tränchen mehr, sie stutzte, vergaß ganz zu brüllen und lachte sogar ein bisschen:

„Jahaah, Omi! Und Mama ist auch da, ja?“

„Ja, wir gucken Mama zu, wie sie den Anderen sagt, was sie machen sollen!“

Mama ist Regisseurin.

„So, und jetzt schlaf schön und träum was Schönes!“

Lachend drückte Toni Puppe Baby an sich, drehte sich zur Wand und meinte noch:

„Omihiih, ja, ich träum von dem schönsten kleinen Weihnachtsbaum!“

So hatte das erste Pixibuch geheißen.

Als ich nach zwei Minuten nochmals nach meiner Enkelin sah, schlief sie bereits fest.

Tastifix

Autorin: tastifix

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