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Opa wird's schon richten

Seit Mitte 2013 haben alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz – soweit, so gut. Wenn Eltern sich jedoch der Illusion hingegeben hatten zu glauben, jetzt sei es endlich möglich Familie und Beruf problemlos unter einen Hut zu bekommen, werden sie schnell eines Besseren belehrt. Diejenigen, die in dieser Situation auf die Hilfe von der Verwandtschaft, insbesondere von Oma und Opa zählen können, haben Glück – oder etwa doch nicht?

Die Lage für berufstätige Eltern mit Kleinkindern ist prekär

Frau mit Baby am Laptop

Das aktuelle Kinderbetreuungsgesetz gibt keinerlei Auskunft darüber, wie viele Stunden pro Tag oder Woche ein Kind in einer Kita betreut werden muss oder wie viele Kilometer Anfahrtsweg zumutbar sind. In der Praxis hat diese Gesetzeslücke dazu geführt, dass vielen Kindern nur Halbtagsplätze zur Verfügung stehen oder dass allein erziehende Mütter ohne Auto morgens um halb sechs ihr Kleinkind mit Bus und U-Bahn im Kinderwagen durch die ganze Stadt bringen müssen, um den Kindergarten zu erreichen, bevor sie abgehetzt an ihrem Arbeitsplatz ankommen. Bei monatlichen Kosten für die Krippe von bis zu 500 Euro lohnt es sich für viele Eltern zudem gar nicht, früh wieder in den Job einzusteigen.
In ländlichen Gegenden fehlt es auch in vielen Kindergärten nach wie vor an arbeitnehmerfreundlichen Öffnungszeiten. Wenn die Einrichtung nur bis 14 Uhr geöffnet hat oder freitags schon um 12.00 Uhr schließt, stellt das viele berufstätige Eltern vor ein gewaltiges Problem. Zudem stellt sich Müttern und Vätern immer wieder die Frage, was zu tun ist, wenn das Kind erkrankt und die Krippe oder den Kindergarten nicht besuchen können. Die meisten Arbeitgeber zeigen wenig Toleranz, wenn ihre Mitarbeiter nicht zum Dienst erscheinen, weil deren Kinder Streptokokken haben oder zum wiederholten Male Kopfläuse mit nach Hause bringen.

Viele Großeltern sind im Alltag eine wichtige Stütze für Familien

Großeltern mit Kleinkind und Baby

Immer häufiger sind es daher rüstige Omas und Opas, die bei Betreuungsengpässen einspringen und regelmäßig auf ihre Enkelkinder aufpassen, wenn deren Eltern arbeiten müssen. Diese können dadurch stressfrei ihrem Beruf nachgehen und verlieren den Anschluss in ihrer Branche nicht so schnell. Zudem verhilft ihnen der Einsatz ihrer Eltern oder Schwiegereltern auch zu mehr privaten Freiräumen.
Durch den hohen Verwandtschaftsgrad haben Großeltern oft eine engere Bindung zu ihren Enkeln als eine Tagesmutter oder ein Babysitter. Sie kennen sie von klein auf und sind in der Regel wichtige Bezugspersonen für Kindergarten- und Grundschulkinder. Aufgrund ihrer Lebenserfahrung bringen viele Omas und Opas Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit Kindern mit. Außerdem haben sie als Rentner meist Zeit, sich wirklich intensiv mit ihnen zu beschäftigen und beispielsweise Spiele zu spielen oder Ausflüge zu machen. Gleichzeitig profitieren Kinder davon, dass ihnen ihre Omas und Opas ganz andere Dinge vermitteln und beibringen können als ihre Eltern. Großeltern stammen im Gegensatz zur weiteren Verwandtschaft wie Onkel oder Tanten aus einer anderen Generation und können oft spannende Geschichten und Anekdoten erzählen. Viele Kinder lieben es beispielsweise, wenn Omas und Opas von Ereignissen erzählen, als ihr Väter und Mütter selbst noch Kinder waren.
Doch nicht nur Eltern und Kinder profitieren davon, wenn die Großeltern die Betreuung übernehmen. Auch die Omas und Opas selbst können aus dieser Vereinbarung einen großen Nutzen ziehen. Sie fühlen sich gebraucht und haben eine wichtige Aufgabe. Zudem hält es Senioren nachweislich jung, wenn sie viel Zeit mit Kindern und Jugendlichen verbringen. Sie wissen, was ihre Enkel interessiert und bewegt, daher laufen sie nicht Gefahr, den Anschluss an die moderne Gesellschaft und ihre Herausforderung zu verlieren.

Kinderbetreuung durch die Großeltern bringt auch Konfliktpotenzial mit sich

Wenn Omas und Opas einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen, kann das jedoch auch zu Problemen innerhalb der Familie führen. Häufig haben Großeltern ganz andere Vorstellungen von Erziehung als Mütter und Väter – sie verwöhnen ihre Enkelkinder und setzen zu wenige Grenzen. Gerade für kleine Kinder ist es schwer zu verstehen, wenn sie bei Oma und Opa beliebig viele Süßigkeiten essen dürfen und sich zu Hause einschränken müssen.
Eltern hadern in dieser Situation häufig mit dem Abhängigkeitsverhältnis, in dem sie stehen: Sie sind auf die Hilfe der Großeltern angewiesen und trauen sich daher nicht, unerwünschte Eingriffe in die Erziehung zu unterbinden. Zudem möchten sie die Gefühle der Omas und Opas verständlicherweise nicht verletzen.
Doch auch die Großeltern selbst, sind nicht immer begeistert, wenn sie als Babysitter fungieren sollten. Von ihnen wird erwartet, sich zu engagieren, dafür müssen sie aber ihre eigenen Interessen und Aktivitäten stark einschränken. Diese Tatsache kann auch durch den Verwandtschaftsgrad nicht weg argumentiert werden. In dieser Situation besteht die Gefahr, dass sich Großeltern ausgenutzt vorkommen: Sie sollen sich kümmern und immer bereit stehen, wenn Not am Mann ist, aber sich bitte auf keinen Fall in die Erziehung einmischen.
Alle Beteiligten müssen daher Sensibilität zeigen, bereit sein Kompromisse einzugehen und sowohl ihre eigenen Bedürfnisse vortragen als auch die der anderen anerkennen. Nur so kann eine vertrauensvolle Basis geschaffen werden, von der Kinder, Eltern und Großeltern gleichermaßen profitieren.

Veröffentlicht von Enkelkinder.net

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