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Vereinbarkeit Kind und Karriere
zwischen Wunsch, Zwang und Wirklichkeit

Gibt es das sagenumwobene Powerpärchen, das Kinder und Karriere spielend unter einen Hut bekommt? Oder ist das nur ein Wunschgedanke? Ist es wirklich möglich, eine gesunde Balance zu finden, wenn man Kindererziehung, Job, Freizeit, Beziehung und Selbstverwirklichung auf der Agenda hat.

"Das ist das Land der begrenzten Unmöglichkeiten
Wir können Pferde ohne Beine rückwärts reiten
Wir können alles was zu eng ist mit dem Schlagbohrer weiten
können glücklich sein und trotzdem Konzerne leiten"

aus „Müssen nur wollen“ von Wir sind Helden

Kinder mit Hund

Realität vs. Wunsch

Im Jahre 2014 lief eine Nivea-Werbung im deutschen Fernsehen, die weiter von der Realität nicht hätte entfernt sein können. Die Dame des Hauses spaziert telefonierend mit Baby und Einkaufstüte im Arm nach Hause, der Mann liegt schlapp auf der Couch und sie hilft ihm mit einem Deo-Stoß wieder auf die Beine. In all seiner Schlappheit sieht er natürlich blendend aus, und spätestens an dieser Stelle sollten sich die echten Eltern längst fragen, wie es möglich sein soll, in Pumps mit Baby und Einkaufstasche im Arm noch zu telefonieren, wenn man nicht gerade drei Arme hat. Diese drei Arme scheint die Gesellschaft aber für realistisch zu halten, wenn sie von der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ spricht. Doch wie sieht der realistische Alltag von Eltern mit Karriere und Kind wirklich aus?

Karriere und Kind: Müssen nur wollen?

Der Aufbau einer Karriere setzt Arbeit auf Vollzeit-Basis und darüber hinaus voraus, Ausnahmefälle gibt es wenige. Selbst wenn der Arbeitgeber familienfreundlich eine 30-Stunden-Stelle, Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder andere Benefits anbietet, kommt es doch immer wieder zu dieser Verkettung ungünstiger Umstände, die es erfordern, dass Mama oder Papa einen Tag (oder mehr) zu Hause bleiben. Der ständige Versuch, den Spagat zwischen Elternschaft und Job zu schaffen, resultiert oft damit, dass Eltern halb arbeiten und sich halb um das Kind kümmern. Das Gefühl, entweder Kind oder Karriere wirklich voll ausfüllen zu können, stellt sich da wohl kaum ein. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass das Kind ein Vollzeitjob sein könnte, bis es zum Teenager wird. Zwei Vollzeitjobs sind rein rechnerisch nur dann zu bewältigen, wenn Eltern einfach aufhören, nachts zu schlafen - ein Ziel, das die Menschheit bis heute nicht erreicht hat.

Priorität: Karriere

Man sagt gerne, die Elternschaft verändere jede Priorität. Das trifft nicht immer zu. Manchen Eltern ist die Karriere nach der Geburt genauso wichtig wie zuvor. Sie gehen sofort wieder arbeiten, können sich eine berufliche Auszeit nicht vorstellen und legen die Belastung der Kinderbetreuung auf die Schultern anderer, sei das des anderen Elternteils oder einer Tagesbetreuung. Oft endet das in einer klassischen Rollenverteilung: Einer bleibt daheim, einer verdient das Geld. Die Priorität der Karriere ist natürlich vollkommen in Ordnung, es lebt nun einmal nicht jeder für die Kindererziehung. Schwieriger wird das, wenn Gewissensbisse ins Spiel kommen oder beide Elternteile ihr Augenmerk auf die Karriere legen wollen.

Von Betreuung und Entfremdung

Die Betreuungsmöglichkeiten in Deutschland sind stellenweise akzeptabel. Tagesmütter werden bei Berufstätigkeit der Eltern gefördert. Kindergarten- und Krippenplätze sind zwar nach wie vor rar, jedoch kann eine Tagespflege diesen auch ersetzen. Eltern, die lange Arbeitszeiten haben, können sich vertrauensvoll ans Jugendamt wenden und gemeinsam eine Lösung finden. Aber bei all diesen Lösungen: Was hat die Familie voneinander? So gut die Karriere bei gesicherter Betreuung laufen mag, ist das doch der Punkt, der das Bild ins Wanken bringt. Wichtige Lebensereignisse erleben Eltern womöglich nicht mit. So sind wir nicht großgeworden - wollen wir das unseren Kindern zumuten? Und wenn wir eine Auszeit machen: für wie lange? Was geht in der Branche? Und was bedeutet diese Auszeit fürs persönliche Glück und für den eigenen Lebensweg, wenn die Kleinen langsam selbständiger werden und man guten Gewissens wieder mehr arbeiten könnte?

Es gibt Angebote, trotz Kind weiterhin eine Karriere zu erwirken. Allerdings heißt das in der Realität: Fremdbetreuung des Kindes und ein Partner, der nicht das gleiche erlebt und von dem man sich entfremden könnte. Gleichzeitig gibt es Möglichkeiten, fürs Kind eine Auszeit einzulegen oder kürzer zu treten und dann irgendwann in den Beruf zurückzukehren. In der Realität heißt das: daheim bleiben, auch mal nichts zu tun haben, den beruflichen Erfolg des Partners als Außenstehender beobachten und sich fragen, ob man jemals wieder den beruflichen Einstieg findet, und womöglich auch, ob man finanziell über die Runden kommt. Zwei Vollzeitjobs kann niemand stemmen - aber jeder kann seine Prioritäten setzen. Nach reiflicher Überlegung und bei einem langfristigen Plan kann immerhin jedes Elternteil sagen: "Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Ich habe die Möglichkeiten abgewogen und ich habe mich für diese als beste Möglichkeit im Augenblick entschieden."

Veröffentlicht von Enkelkinder.net

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